Liebe Freunde, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Interessenten und Leser!
Es ist mal wieder Zeit für einen neuen Monatsbericht! Dazu muss ich jedoch vorab schon einmal ankündigen, dass ich in diesem Monatsbericht nicht nur auf meine eigentliche Arbeit an der Deutschen Schule Kobe, sondern auch auf einige Reisen zu sprechen kommen werde. Bedingt durch die Weihnachtsferien hatte ich ein paar freie Tage, welche ich nutzte, um mehr von diesem einzigartigen Land zu sehen, denn ich denke, dass ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland nicht nur daraus bestehen sollte, die gesamte Aufenthaltszeit über zu arbeiten, sondern auch möglichst viele Seiten und Facetten dieses fremden Landes sehen zu können. Nichts eignet sich dazu besser als die Besichtigung verschiedenster Städte und Landabschnitte!
Zunächst möchte ich jedoch chronologisch beginnen und gehe dazu zurück zum 22. Dezember. Wie einige von euch vielleicht wissen, handelte es sich bei diesem Tag um meinen Geburtstag. Ich muss gestehen, dass es ein äußerst eigenartiges Gefühl war, zu wissen, dass man Geburtstag hat, andererseits aber auch zu wissen, dass man nicht die Chance hat, mit seinen besten Freunden feiern zu gehen, mit seiner Freundin einen schönen Abend zu verbringen oder gar mit seinen Eltern ein herrliches Abendessen zu genießen. Stattdessen fühlt man sich in einer gewissen Weise einsam und allein gelassen, was aber bitte nicht als Vorwurf zu verstehen ist. Natürlich habe ich mit ein paar Leuten, die ich hier kennen gelernt habe, ein wenig gefeiert und natürlich war es sehr schön, doch ihr könnt euch sicherlich gut vorstellen, dass es einfach kein Vergleich zu einem Geburtstagsfest zu Hause war.
Dies war die erste neue Erfahrung innerhalb einer Woche. Die Zweite folgte nur zwei Tage später, nämlich beim Weihnachtsfest. Genauso “gewöhnungsbedürftig” wie die Tatsache, seinen Geburtstag nicht mit Freundin, Eltern und Freunden zu verbringen, war für mich das Weihnachtsfest 2009, denn auch dieses erlebte ich in einer ganz anderen Weise, als ich es kannte und schätzte. Zwar hatte ich das Glück, den Feiertag im Kreise der Familie, sprich bei meinen Großeltern, verbringen zu können, doch trauerte ich etwas dem jährichen gewohnten Ablauf hinterher, wie ich ihn zu lieben gelernt habe. Dabei ging ich jedes Jahr mit meinem Vater in die Christmette um 17 Uhr in unserer Gemeinde Herz-Jesu Sonnenberg. Daraufhin beglückwünschte man sich einander, warf einen Blick auf die Krippe, welche im vorderen Bereich der Kirche aufgestellt worden war, um danach nach Hause zu fahren, wo ein perfekt und wunderschön geschmückter Weihnachtsbaum auf uns wartete im gedimmten Licht des Wohnzimmers. Einige Zeit später gab es einen Haspel (Eisbein) mit Sauerkraut, das Leibgericht meines Vaters. Zum Schluß folgte die Bescherung sowie das Öffnen von Weihnachtspost und einem anschließenden Anstoßen mit Sekt.
Diesen von mir verinnerlichten Ablauf vermisste ich schmerzlich, während ich mit meinen Großeltern am gedeckten Tische in ihrem kleinen Haus in Tokio saß, doch ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie alles dafür taten, um den Abend so schön wie möglich zu gestalten. Und in der Tat, wir verbrachten zu dritt einen wirklich schönen Abend mit Hähnchenschenkeln, Sekt aus Rüdesheim und einer Weihnachtstorte! Anschließend telefonierte ich mit meinen Eltern im fernen Wiesbaden.
Die folgenden Tage verbrachte ich weiterhin bei meinen Großeltern in Tokio und traf mich an zwei Tagen mit weiteren Freiwilligen, welche ebenfalls in Japan sind. Am 29. Dezember schließlich besuchte mich ein guter Freund aus Schulzeiten, worüber ich mich sehr freute. Die folgenden 10 Tage versuchte ich ihm so viel wie möglich von diesem Land zu zeigen, in das man nicht unbedingt alle Tage kommt. Dabei fiel mir insbesondere zu Beginn auf, wie gut ich mich bereits in Tokio, dieser faszinierenden Millionenmetropole, auskenne. Doch auch die Besichtigung einiger historischer Stätten, vor allem in der Kansai-Region um Nara und Kyoto, offenbarten mir persönlich neue, wunderschöne Seiten, die ich noch nicht kannte und worüber ich im Nachhinein sehr froh war, sie gesehen zu haben. Insgesamt besuchten wir die Städte Tokio, Nara, Kyoto, Kobe und Osaka. Natürlich besichtigten wir dabei viele der Touristenorte, die man in jedem Reiseführer findet, jedoch bemühte ich mich, mit ihm auch zu Orten zu gehen, an denen man nicht unbedingt nur Touristen antrifft. Mein Besucher war sehr begeistert von vielen, zum Teil kleinen Details im Alltag, welche auch einem Land wie Deutschland gut zu Gesicht stehen würden. Insgesamt war er am Ende so fasziniert, dass er beschloß, sein Auslandssemester nach Japan verlegen zu wollen. Ich werde natürlich mitverfolgen, ob er seinen Plan realisiert!
Für den Silvesterabend haben wir sehr lange überlegt, was wir machen könnten. Wir hatten beide Lust, in einen tokioter Club zu gehen, was wir letzten Endes wahrmachten und uns gegen ein traditionelles japanisches Silvester entschieden. Für Japaner ist die Neujahreswende ein Fest mit der Familie, an dem man gut und lange speist und anschließend einen Tempel aufsucht, um für das neue Jahr zu beten. Wir zwei indes fanden uns um Punkt 12 Uhr in Shibuya auf der berühmten großen Kreuzung wieder, umringt von tausenden von Menschen. Polizisten überwachten das Meer von Menschen und sorgten für Ordnung. Die Menge bestand nicht nur aus vielen Japanerinnen und Japanern in unserer Generation, sondern auch aus vielen Ausländern. Wir sprachen viele Menschen an, wünschten ihnen ein gutes neues Jahr und lernten so einige Leute kennen. Schließlich trafen wir einen Deutschen, welcher uns daraufhin in den Club begleitete. Es handelte sich dabei um einen Mannheimer Studenten, welcher zu der Zeit sein Auslandssemester in Tokio verbrachte. Das Lustige an der Sache war, dass wir im Laufe des Abends herausfanden, dass wir einen gemeinsamen Bekannten hatten, was mal wieder bewies, wie klein die Welt doch ist!
Insgesamt hatte ich also wunderbare Ferien, sowohl mit als auch ohne meinen Besuch. Ich lernte neue Menschen kennen, besuchte faszinierende Orte und genoss meine Zeit. Gleichzeitig merkte ich jedoch, verstärkt am Ende der Weihnachtsferien, dass mir die Kinder aus dem Kindergarten fehlten und war schon voller Vorfreude, sie alle wiederzusehen. Als es schließlich so weit war, war es wirklich wunderschön, die Kleinen gesund und munter begrüßen zu können. Viele von ihnen hatten einen ganz schönen Sprung in die Höhe gemacht und es ist immer wieder faszinierend, wie schnell sich Kinder weiterentwickeln können.
In der Zeit vom Ferienende bis jetzt versuchten wir langsam, wieder in unseren Rhythmus zu kommen und vor allem die Kinder wieder an die ferienfreie Zeit zu gewöhnen. Viele von ihnen waren während der Ferien in die Heimatländer ihrer Eltern geflogen, waren daher andere Uhrzeit und Sprache gewohnt. Langsam, aber sicher stellte sich jedoch wieder die Routine ein und ich kann immer wieder nur betonen, dass es für mich persönlich ein sehr schönes Gefühl ist, einen geregelten Tagesablauf zu haben.
Vergangene Woche folgte dann eine weitere neue Erfahrung für mich, welche ich in der Form nicht unbedingt in Deutschland hätte machen können, denn am Montag stand eine Erdbeben-Übung auf dem Programm. Da gerade Kobe in einer seismologisch sehr gefährdeten Region liegt und vor allem durch das Jahrhundert-Erdbeben 1995 geprägt ist, müssen die Kinder natürlich von klein auf lernen, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben. Um die Möglichkeit, dass einem etwas Schweres und Großes auf den Kopf fällt, zu vermeiden, ist daher die erste Anweisung, unter die Tische zu gehen, um dort Schutz zu suchen. Gleichzeitig müssen wir Lehrer dafür sorgen, dass alle vorhandenen Türen geöffnet werden. Anschließend muss die ganze Klasse langsam bis 60 zählen. Erst nach dieser Zeit kann man sich sicher sein, dass das Beben aufgehört hat. Zum Schluss versammelt sich die ganze Schule auf dem Schulhof.
Ein weiteres Highlight der Woche war der Besuch des Kindergartens in der RIC Library. Dort lernten die Kinder, wie sie mit Büchern umzugehen haben, worauf sie in einer Bücherei achten müssen und wie sie beispielsweise ein Buch ausleihen können. Schließlich hatten sie die Möglichkeit, die zum Teil englischen, zum Teil japanischen Bücher zu lesen oder sie sich von uns vorlesen zu lassen. Ich denke, dass die Kinder dort sehr großen Spaß hatten und es eine tolle Erfahrung für sie war!
Ihr seht also, dass hier in Kobe immer etwas los ist. Mir persönlich geht es sehr gut, auch gesundheitlich kann ich mich nicht beklagen. Die Temperaturen sind sehr angenehm und man hat das Gefühl, dass es schon rasant auf den Frühling zugeht. Dies ist vor allem für mich etwas sehr schönes, da mich im März meine Freundin besuchen kommt, worauf ich mich natürlich schon sehr freue. Bis es jedoch so weit ist, genieße ich weiterhin die Arbeit mit den Kindern an der Deutschen Schule Kobe. Um euch ein wenig meine Ausflugsorte zu zeigen, habe ich im unteren Bericht einige Fotos veröffentlicht. Viel Spaß beim Ansehen und Genießen!
Euch wünsche ich alles Gute, Gesundheit und natürlich nur das Beste! Viele liebe Grüße
Euer Sebastian




































































































































































